„Herbst auf den Tausendern“ – eine ausgefallene Wanderung

Bei der Vorwanderung war noch alles in Ordnung. Die Temperatur angenehm zum Wandern, gute Sicht ins Tal und der Horizont gut zu erkennen. Und eine Wirtschaft zur abschließenden Einkehr war auch gefunden.

Das Geläuf war überwiegend gut und die paar Stellen, an denen starker Anstieg bzw. Gefälle mit nassen Steinen, rutschigen Wurzeln und nassen Blättern kombiniert waren konnten mit etwas Vorsicht gut bewältigt werden.

Das Beiprogramm war vorbereitet. Die Namen der 14 Nothelfer, nach denen unser erstes Zwischenziel, die gleichnamige Kapelle, benannt ist, waren parat und auch ihre Zuständigkeiten. Von Achatius für Todesangst und Zweifel bis Vitus für Epilepsie. Etwas einfacher war die Vorbereitung für unser zweites Zwischenziel, der Nikolaus-Kapelle. Vom Namen her allgemein bekannt und zuständig für das Füllen der Kinderschuhe mit Süßigkeiten am 6. Dezember.

Allerdings trübten sich die Wetteraussichten im Laufe der Woche zunehmend ein. Da es den ganzen Samstag über geregnet hatte war es an der Zeit, sich über Plan B Gedanken zu machen.

An Auf- und Abstieg war nicht mehr zu denken. Wozu auch, wenn einen oben nur Nebel erwartet. Aber man kann die Berge ja auch ohne große Höhenunterschiede auf größtenteils geschotterten Waldwegen umrunden.

Und das Beiprogramm kann man ja auch anpassen. Als neuer Aufhänger daher der Witterung entsprechend der altbekannte Spruch:

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

Aber was ist eigentlich schlechte bzw. gute Kleidung bei schlechtem Wetter? Ein Blick auf meinen Regenkittel bzw. sein Innenleben hilft da weiter:

Zu Waterproof 30.000 mm finden wir in der KI: Ein Wert ab 30.000 mm gehört zur absoluten Spitzenklasse im Outdoor- und Funktionsbereich für anspruchsvolle alpine Touren, Extremwetter oder dauerhaften Starkregen.

Und Breathable 25.000 g/m2/24h bedeutet, dass an einem Tag durch einen Quadratmeter Stoff 25 Liter Schweiß hinausgeschwitzt werden können. Dieser Bereich gilt als ideal für leistungsorientierte Bekleidung und Hochleistungssport (wie Skitouren, Berglauf oder Alpinismus). Selbst bei hoher körperlicher Anstrengung und starkem Schwitzen bleibt das Innere der Kleidung weitgehend trocken.

Da habe ich jetzt beinahe ein schlechtes Gewissen. Gut dass die Werte nur innen stehen und nicht außen aufgedruckt sind. Sonst wäre womöglich jemand auf die Idee gekommen, mir zu sagen, dass diese Jacke für das bisschen Regen das dann am Sonntag heruntergekommen ist, total ungeeignet sei.

Trotzdem hätte ich es gerne ausprobiert. Aber es konnte/wollte ja niemand mit.

Volkmar Merz, Wanderführer

PS: Mein „etwas anderer Bericht“ soll ausdrücklich keine Anklage sein. Auch ich habe den Nachmittag lieber im wohligwarmen heimischen Wohnzimmer verbracht als auf dem nasskalten Lemberg. Und die Absage in der Kneipe war auch unproblematisch.